Claudia Jäger, 1970 geb. in Vorau.
1987-1992 Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf (Wien).
Seit 1996 autodidaktisch tätig.
Sie lebt in Oberwart und arbeitet in ihrem 2006 eröffneten Atelier in Mariasdorf.

Interview mit Claudia Jäger über ihre Arbeit und ihr Werk mit den Schülern der HAK Oberwart, die ihre Website gestaltet haben.

Lukas Ulreich: Wie kamst du zur Malerei?

Claudia Jäger: Schon als Kind habe ich sehr gerne gezeichnet. Zuhause, genauer gesagt in der Küchenbank hat meine Mama immer genügend Zeichenpapier und Stifte gelagert. Soviel Spielzeug wie die Kinder heute haben, gab es damals noch nicht. Während unsere Mama kochte, zeichneten, kritzelten und bastelten meine Geschwister und ich am Küchentisch. Nach meiner Grundschulausbildung entschied ich mich für eine Ausbildung an der HBLA Oberwart für Mode und Bekleidungstechnik. Nach zwei Jahren wechselte ich nach Wien in die Modeschule Hetzendorf. Diese Schule bot zahlreiche künstlerische Unterrichtsgegenstände. Ich nahm an folgenden Fächern teil: Akt-, Figural-, Naturzeichnen, Modisches Werken, Werkstätte und Modellarbeit, Schrift, Perspektive, Farbkomposition, Modegrafik, Textilentwurf und Modeentwurf. Diese Schulform war genau das richtige für mich. Hier lernte ich meine Ideen umzusetzen, meine Phantasie in die richtige Bahn zu lenken und meinen Freiheitsdrang nach individueller Umsetzung genüge zu leisten. Kurz nach dem Schulabschluss kamen unsere beiden Töchter zur Welt und der kreative Faden riss ab. Als unsere Kleinste 4 Jahre alt war, begann ich im Südburgenland, wo wir nun wohnten, einen kreativen Job zu suchen. Wie man sich vorstellen kann, war das in dieser Region sehr schwierig und mit zwei kleinen Kindern täglich nach Wien pendeln, konnte ich mir nicht vorstellen, und so entschied ich mich, die Malerei zu meinen Beruf zu machen.

Philipp Werderits: In deiner Website präsentieren wir 4 verschiedene Malrichtungen. Ist es nicht einfacher sich nur für eine Stilrichtung zu entscheiden und so zu einer unverwechselbaren Handschrift und zu einem wieder erkennbaren Stil zu kommen?

Claudia Jäger: Naja so einfach ist das nicht. Um eine unverwechselbare Handschrift zu bekommen, dauert es oft Jahre. Vielleicht komme ich gerade so meinem Ziel näher, indem ich je nach meinem Empfinden oder Bedürfnis an der einen oder anderen Malrichtung arbeiten kann.

Thomas Wachter: Erzähl mir etwas über deine Menschenbilder. Was fasziniert dich so an dieser Art der Malerei?

Claudia Jäger: Menschenbilder sind für mich das interessanteste Genre in der Malerei. Es leben bald 7 Milliarden Menschen auf unserer Erde. Jeder dieser Menschen ist einzigartig. Die Motive, die Themen und die Geschichten sind unendlich. In meinen Menschenbildern findet man kaum Einzelpersonen, sondern meistens Menschengruppen. Die Dynamik des Miteinanders fasziniert mich. Wir sind sehr auf den anderen angewiesen. Ein harmonisches Miteinander kann nur im Austausch entstehen. Jeder muss einen Schritt, auf den anderen zugehen, um wachsen zu können. Diese Atmosphäre, diese Wahrnehmung der Lebensart, hält mich gefangen. Das ist es, was ich in meinen Menschenbildern festhalten möchte. Situationen die mich ergreifen und in Besitz nehmen, die in mir etwas bewegen, liefern die Idee zu einem Bild.

Lukas Ulreich: In den Menschenbildern findet man nur positive Darstellungen. Es werden nicht nur positive Bilder in dir etwas bewegen, oder?

Claudia Jäger: Ja das stimmt. Der Schrei von Edward Munch bewegt sehr viele Menschen. Die Hilflosigkeit in seinem Gesichtsausdruck, dieses Verloren sein, keinen Ausweg aus der momentanen Situation zu finden, stellte Munch grandios dar. Sehr viele Menschen spüren in diesem Bild, wie es ihnen selbst manchmal ergeht. Ich bemerke natürlich die Angst, die Unsicherheit und die Verzweiflung der Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung, die sie aus den unterschiedlichsten Beweggründen empfinden und erleben müssen. Ich nehme in meinem Umkreis Gesichter wahr, die gezeichnet sind vom Schmerz. Warum ich trotzdem nur positive Bilder male? Ich weiß es nicht genau. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Frieden im Leben?

Daniel Pieler: Okay. Kommen wir zur Figurativen Malerei? Was ist hier dein Anliegen?

Claudia Jäger: Das ist für mich eine rein malerische Auseinandersetzung. Hier will ich keine Themen vermitteln, sondern nur mit Technik, Farbe und Form spielen. Nicht mehr und nicht weniger.

Robin Jandl: Wie wichtig ist dir die Aktzeichnung?

Claudia Jäger: Die Aktzeichnung ist für einen Maler so wichtig, wie die Matura für einen Schüler. Die Aktzeichnung ist für mich, aber nicht nur das Abbilden des Gesehenen. Hier versuche ich durch die Lebendigkeit des Striches meine eigene Handschrift einzigartig zu machen. Dieses Ziel verfolge ich auch in meinen Menschenbildern.

Paul Medlitsch: Na gut! Was fehlt noch? Die Abstrakte Malerei? Wie stehst du dazu?

Claudia Jäger: Die Abstrakte Malerei ist für mich das Schwierigste überhaupt. Viel kommt aus dem Unterbewusstsein hoch. Somit bewege ich mich auf einem unbekannten Feld. Hier gibt es keine Themen, an denen ich mich anhalten kann. Nichts Konkretes, das ich gesehen habe und abstrahieren möchte. Das Leben ist ein Geheimnis, schrieb Kübler-Ross. Wir können nicht alles kontrollieren. Alles offenbart sich zu seiner Zeit. Das Problem besteht darin, dass wir meinen, wir sollten alles wissen. Ich will damit sagen, dass es wichtig ist, beim Abstrakten Malen die Freude zu spüren, welche hinter alldem steckt, was wir sehen. Das ist sehr schwierig. Aber es ist eine große Herausforderung für mich und eine Bereicherung für mein Leben, weil ich hier einen Weg sehe, wo ich wachsen und mich weiterentwickeln kann.